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EinfĂĽhrung:
Im Jahre 1919 musste die Flaschenfabrik Kreuznacher Glashütte – so die offizielle Firmenbezeichnung – schließen. Seither sind fast drei
Generationen vergangen. Die Glasarbeiter, auch die meisten ihrer Töchter und Söhne, leben nicht mehr. Die Erinnerung an jene Zeit ist verblasst und die Lebens- und Arbeitswelt jener Menschen ist uns fremd
geworden. Aus dem Werk selbst blieb kaum etwas erhalten: Büroakten, Angebotslisten, Werkzeuge und Flaschenbestände sind verschwunden. Auch von den Gebäuden selbst blieb nichts bewahrt, sie mussten im Herbst 1966
Platz für ein Schulzentrum machen. Damals interessierte sich kaum jemand für die Erhaltung solcher Gebäude als Industriedenkmäler. Daher stellte sich die Aufgabe, die Geschichte dieses Werkes und seiner Menschen
vor dem Vergessen zu bewahren.
Eine Spurensuche begann. Manches fand sich im Archiv der Stadt Bad Kreuznach. Eine wichtige Quelle bildeten dort die Städtischen
Industrie- bzw. Verwaltungsberichte und Berichte im „Oeffentlichen Anzeiger“ der hiesigen Tageszeitung. Das Landeshauptarchiv Koblenz bewahrt einige Dokumente zu den Anfängen der Gewerkschaft und zu den ersten
Streiks. Als besonders hilfreich beim Zusammentragen von Gegenständen und Informationen erwies sich das lebhafte Interesse der Nachfahren der Glasarbeiter, aber auch anderer Personen, das sich u.a. an der
Bereitstellung von ErinnerungsstĂĽcken wie Fotos, Flaschen, Medaillen, Anstecknadeln und ihren Berichten aus der Zeit der Glasfabrik zeigte. DafĂĽr sei ihnen von Herzen gedankt. Der Dank geht aber ebenso sehr an das
Schlossparkmuseum in Bad Kreuznach, das Flaschen zum Fotografieren, und an das Stadtarchiv, das Fotos, Zeitungen und andere Materialien zur VerfĂĽgung stellte.
Besonders schwierig war es, Licht in die Anfangsjahre der Glasfabrik zu bringen. Spärlich fließen aber auch die Quellen für die Zeit ab
1900, als die Kreuznacher HĂĽtte ein Zweigwerk der Gerresheimer GlashĂĽtte war, denn dessen Werksarchiv fiel den Bomben des 2. Weltkriegs zum Opfer.
Daher ist der Umfang des Quellenmaterials fĂĽr die Abfassung der Geschichte dieses Betriebs recht bescheiden. Dadurch bot sich mehr Raum fĂĽr
die Möglichkeit, die Kreuznacher Glashütte und ihre Geschichte in einen größeren Zusammenhang zu stellen, genauer : sie als Beispiel für die Entwicklung der ganzen Branche zu betrachten. Die dargestellte
technische Entwicklung in der Produktion, die hier ebenfalls beschriebenen konjunkturellen Einflüsse auf die wirtschaftliche Entwicklung des Betriebes, aber auch die Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen der
Glasarbeiter sind durchaus auf andere Standorte, sei es im Saarland, in Gerresheim bei Düsseldorf, in Dresden oder anderswo in Deutschland. übertragbar. Die Branche gehörte dank der steigenden Nachfrage nach
Weinflaschen neben der Eisen- und Stahlindustrie zu den bedeutenden Wachstumsbranchen des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts.
Die jährlich in die Millionen gehende Zahl produzierter Wein- und Sektflaschen, das gut ausgebaute Vertriebsnetz in Südwestdeutschland und die
hohe Anzahl der Arbeitskräfte belegen eindrucksvoll die überragende Bedeutung der Fabrik für Kreuznach selbst und die Region. Der Standort, der zunächst orientiert war an der ländlich geprägten Umgebung
als Absatzmarkt, förderte die Tendenz der Weinbranche, in der Vermarktung vom Fass- zum Flaschenwein überzugehen. So hat die Kreuznacher Flaschenfabrik indirekt zu einer Qualitätsverbesserung des Weins
beigetragen und damit einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum steigenden Konsum von Flaschenwein, auch im Ausland, geleistet.
Es sei noch auf den umfangreichen Materialteil hingewiesen, der aus ganz unterschiedlichen Texten besteht und fortfĂĽhrt und vertieft, was im
Hauptteil angesprochen ist. Damit hat der Leser die Möglichkeit, nach eigener Wahl einen ganz unmittelbaren, lebendigen Eindruck in die Zeit der Kreuznacher Glashütte und ihrer Flaschenproduktion zu gewinnen...
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